Archiver un fonds photographique: m?thode

Archiver un fonds photographique: Unsere Methode für fotografische Nachlässe

Ein ungeordneter fotografischer Nachlass ist wie eine verschlossene Schatztruhe – wir erklären, wie unser Team diese mit System öffnet und das kulturelle Erbe für die Zukunft sichert. Wenn wir zum ersten Mal vor einem Konvolut wie dem von Mario Del Curto stehen, sehen wir nicht nur Bilder, sondern ein ganzes Leben, das darauf wartet, wieder lesbar zu werden.

Was ist ein fotografischer Fonds – und warum ist seine Archivierung so dringlich?

Der Begriff «fonds photographique» bezeichnet die Gesamtheit aller fotografischen Werke und Dokumente, die ein Fotograf im Laufe seines Schaffens produziert und gesammelt hat. Es geht nicht nur um die fertigen Abzüge, sondern um Negative, Dias, Kontaktbögen, Notizen, Ausstellungsplakate und sogar Skizzenbücher. Im Fall von Mario Del Curto umfasst sein Fonds Jahrzehnte intensiver Arbeit, die das kulturelle Gedächtnis der Schweiz auf einzigartige Weise dokumentiert. Die Dringlichkeit einer fachgerechten Archivierung ist enorm: In der Schweiz schlummern unzählige wertvolle Konvolute in privaten Kellern oder Ateliers, oft unter Bedingungen, die dem Material massiv zusetzen.

Die stille Gefahr: Materialzerfall bei Negativen und Dias

Analoge Trägermaterialien sind empfindliche chemische Gebilde. Celluloseacetat-Negative beginnen zu schrumpfen und setzen Essigsäure frei – das berüchtigte Essigsäuresyndrom. Glasplattennegative drohen zu zerbrechen, und Farbdias bleichen aus, wenn sie nicht kühl und dunkel gelagert werden. Wir haben schon Bestände gesehen, die innert weniger Jahre unrettbar verloren waren, weil niemand die Warnsignale erkannt hat.

Warum ein Nachlass mehr ist als nur eine lose Bildersammlung

Ein fotografischer Nachlass ist ein komplexes Gefüge aus Bildern und Kontext. Die Beschriftung auf einem Couvert, die Reihenfolge der Negative in einer Schachtel oder ein handgeschriebener Zettel mit Ortsangaben – all das sind Puzzleteile, die das Werk verständlich machen. Bei der Arbeit mit der Association Mordache, die den Nachlass von Mario Del Curto betreut, wird uns immer wieder bewusst, wie entscheidend diese scheinbaren Nebensächlichkeiten sind.

Schritt 1: Die integrale Sichtung und Respektierung der originalen Unordnung

Unser erster physischer Kontakt mit dem Material findet direkt in den Räumlichkeiten der Association Mordache statt. Wir öffnen die Schachteln, sichten die Stapel und nehmen bewusst keine Vorsortierung vor. Jede scheinbare Unordnung ist eine Spur der Arbeitsweise des Fotografen. Ein banales Post-it, ein beschriftetes Couvert oder eine zufällige Abfolge von Bildern kann Hinweise auf eine Reportage, eine Reise oder eine persönliche Krise geben.

Vom Schuhkarton zur provisorischen Inventarliste

Wir erfassen jedes Behältnis mit einer provisorischen Nummer und notieren den Inhalt stichwortartig. Die Schuhkartons, die Mario Del Curto über Jahre gefüllt hat, werden zu ersten Einheiten in unserer Inventarliste. So entsteht ein grobes Raster, das uns später erlaubt, die Struktur des gesamten Fonds zu verstehen, ohne voreilig Ordnung zu schaffen.

Umgang mit Mischkonvoluten: Wenn Privates und Berufliches verschmelzen

Bei vielen Fotografen, und so auch bei Mario Del Curto, durchdringen sich private und berufliche Bilder. Ein Familienfest liegt neben einer Auftragsarbeit für eine Zeitschrift. Wir trennen diese Bereiche nicht künstlich, sondern dokumentieren die Mischung als authentischen Ausdruck der Lebensrealität. Die Association Mordache unterstützt uns dabei, die biografischen Zusammenhänge zu rekonstruieren.

Schritt 2: Der materialtechnische Check-up vor jeder Manipulation

Bevor wir ein einziges Blatt bewegen, analysieren wir die Trägermaterialien. Vom schweren Glasplattennegativ aus den 1920er-Jahren bis zum fragilen Kleinbild-Dia der 1980er-Jahre – jedes Format hat seine eigenen Bedürfnisse. Wir arbeiten eng mit spezialisierten Schweizer Restauratorinnen zusammen, die Schadensbilder beurteilen und uns sagen, welche Stücke stabil genug für die weitere Bearbeitung sind.

Schimmel, Silberspiegel und Essigsäuresyndrom erkennen

Schimmel zeigt sich als pelziger Belag, Silberspiegel als bläulich-metallischer Schimmer auf den Negativen. Beides erfordert sofortiges Handeln. Das Essigsäuresyndrom erkennen wir am stechenden Geruch und an der Verformung der Filmstreifen. Wir isolieren betroffene Materialien umgehend und leiten sie an die Restaurierung weiter, bevor sie benachbarte Bestände anstecken.

Schutzmassnahmen: Kühlhaus oder Schublade? Ein pragmatischer Entscheid

Nicht jedes Konvolut braucht ein professionelles Kühlhaus. Wir wägen ab: Für hochwertige Farbdias ist eine kühle Lagerung bei konstanter Luftfeuchtigkeit ideal, während Schwarzweiss-Negative in einer trockenen, temperierten Schublade gut aufgehoben sind. Gemeinsam mit der Association Mordache entscheiden wir fallweise, was machbar und sinnvoll ist.

Schritt 3: Systematisches Signieren und Verpacken für die Ewigkeit

Jedes Stück erhält eine eindeutige Signatur, die wir mit Bleistift auf die neue Verpackung schreiben oder auf einen eingelegten Zettel notieren. Wir verwenden ausschliesslich säurefreie Pergaminhüllen und Archivboxen, die wir bei Schweizer Lieferanten wie GEPE oder M-Art beziehen. Diese Materialien entsprechen der ISO 18916 und gewährleisten, dass die Negative und Dias über Jahrzehnte keinen chemischen Schäden ausgesetzt sind.

Von der chronologischen zur seriellen Ordnung: Unser pragmatischer Ansatz

Die originale Reihenfolge fotografieren wir detailliert, bevor wir die Stücke in eine logischere Struktur überführen. Bei Mario Del Curto orientieren wir uns an seinen Werkserien und den von der Association Mordache recherchierten Projekten. Eine chronologische Ordnung ist oft nicht möglich, also wählen wir eine serielle Ordnung, die den inhaltlichen Zusammenhängen folgt.

Wahl der richtigen Archivmaterialien nach ISO 18916

Die Norm ISO 18916 definiert die Anforderungen an Materialien, die mit fotografischen Trägern in Kontakt kommen. Wir setzen auf Produkte von GEPE und M-Art, weil sie diese Vorgaben zuverlässig erfüllen. Die Pergaminhüllen sind atmungsaktiv, die Boxen stabil und frei von Weichmachern, die mit der Zeit ausgasen und die Emulsionen angreifen könnten.

Schritt 4: Digitale Erfassung – High-End-Scans und Metadaten nach IPTC-Standard

Für die Digitalisierung setzen wir auf einen Hasselblad Flextight X5, einen Scanner, der speziell für höchste Ansprüche entwickelt wurde. Aus einem Mittelformat-Dia von Mario Del Curto holen wir so die maximalen Bildinformationen heraus – Details in den Schatten, feinste Strukturen und eine Farbtreue, die dem Original so nahe wie möglich kommt. Der Scan ist nur der erste Schritt; die eigentliche Arbeit liegt in der Erschliessung.

Auflösung, Farbkalibrierung und Dateiformat – warum wir auf TIFF setzen

Wir scannen mit einer Auflösung, die für das jeweilige Format sinnvoll ist, und kalibrieren unseren Workflow farbverbindlich. Als Dateiformat verwenden wir TIFF, weil es verlustfrei ist und alle Bildinformationen speichert. JPEGs sind für die Langzeitarchivierung ungeeignet, da sie bei jeder Speicherung Daten komprimieren und Details vernichten.

Metadaten als Gedächtnisstütze: Zwischen KI-Bilderkennung und Handarbeit

Unser Metadaten-Schema folgt dem IPTC-Standard und erfasst nicht nur technische Angaben wie Kameramodell und Filmformat, sondern auch inhaltliche Schlagworte. Die Association Mordache liefert uns wertvolle Recherchen zu Personen, Orten und Ereignissen, die wir einpflegen. KI-Bilderkennung nutzen wir als Unterstützung, aber die endgültige Verschlagwortung bleibt Handarbeit, weil nur ein geschultes Auge den Kontext wirklich versteht.

Langzeitarchivierung: Redundanz, Migration und das LORY-System in der Westschweiz

Digitale Daten sind flüchtig. Wir sichern die Scans mehrstufig: auf lokalen RAID-Systemen in unserem Studio, auf externen Festplatten an getrennten Standorten und in einer Cloud-Instanz. Für die geplante institutionelle Langzeiterhaltung prüfen wir die Einbindung in LORY, das Langzeitarchivierungssystem der Romandie. LORY bietet eine Plattform, die speziell für kulturelles Erbe entwickelt wurde und die Daten regelmässig auf neue Formate migriert.

Die 3-2-1-Regel in der fotografischen Praxis

Wir halten uns strikt an die 3-2-1-Regel: Drei Kopien auf zwei verschiedenen Speichermedien, eine davon an einem externen Standort. So stellen wir sicher, dass selbst bei einem Brand oder einem technischen Defekt die digitalen Master erhalten bleiben. Für die Association Mordache ist das eine essenzielle Sicherheitsmassnahme.

Georeferenzierung und Abgleich mit Schweizer Landestopografie

Wo immer möglich, hinterlegen wir Geodaten in den Bildern und gleichen sie mit der Schweizer Landestopografie ab. Viele Aufnahmen von Mario Del Curto zeigen Landschaften und Architektur, die sich über die Jahrzehnte verändert haben. Die Georeferenzierung macht den Wandel nachvollziehbar und verankert die Bilder im geografischen Raum.

Gewissenhaftes Archivieren ist kein Selbstzweck. Es ist die Grundlage, damit das visuelle Gedächtnis eines Landes für kommende Generationen sprechen kann. Wenn wir den Nachlass von Mario Del Curto durch unsere Hände gehen lassen, arbeiten wir nicht nur für die Association Mordache, sondern für ein Publikum, das vielleicht erst in fünfzig Jahren verstehen wird, welchen Schatz wir heute gesichert haben.

Häufig gestellte Fragen

Was kostet die Archivierung eines fotografischen Fonds?

Die Kosten variieren stark je nach Umfang, Zustand und gewünschter Erschliessungstiefe. Wir erstellen nach einer ersten Sichtung eine Offerte, die alle Schritte von der Materialanalyse bis zur digitalen Erfassung transparent auflistet.

Wie lange dauert die Archivierung eines grossen Nachlasses?

Ein umfangreicher Fonds wie der von Mario Del Curto kann mehrere Monate bis Jahre in Anspruch nehmen. Die Dauer hängt von der Menge des Materials, seinem Zustand und dem Umfang der Metadaten-Erschliessung ab.

Kann ich meinen fotografischen Nachlass auch selbst archivieren?

Grundsätzlich ja, aber die fachlichen Anforderungen an Materialkunde, Restaurierung und digitale Langzeiterhaltung sind hoch. Wir empfehlen, zumindest eine professionelle Beratung in Anspruch zu nehmen, um irreversible Fehler zu vermeiden.

Was unterscheidet LORY von anderen Archivsystemen?

LORY ist speziell auf die Bedürfnisse von Gedächtnisinstitutionen in der Romandie ausgerichtet und bietet eine enge Anbindung an die Schweizer Bibliotheks- und Archivlandschaft. Es gewährleistet die regelmässige Migration der Daten in aktuelle Formate und ist damit eine zukunftssichere Lösung.

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