Category: Swiss photographer portfolio

  • Travailler en s?rie longue: apprendre la patience

    Travailler en série longue: apprendre la patience – Un Prinzip der Langsamkeit

    Es git en Momänt, wo mir als Team gmärkt hend, dass sich üsi Arbet grundlegend veränderet het. Mir sind im Vallée de Joux gstande, zum dritte Mal in vier Jahr, und hend gmerkt, dass das, wo mir do mached, nüt meh mit ere klassische Reportage z tue het. Es isch kei Gschicht, wo sich in drei Täg abhandle laht. Es isch en Beziehig, wo über Jahrzehnt wachst. De Mario Del Curto het üs das nie als Theorie erklärt – er het üs das düre sini Arbet vorzeigt. En einzige Blick uf sini Kontaktböge us de 90er Jahr im Vergliich zu hüt het glängt, zum begriffe: Tiefi entstaht nöd im Sekundetakt, sondern i de Summe vo de gsammlete Zyt.

    Warum wir uns von der Schnelllebigkeit verabschiedet haben

    D Entscheidig, sich us em News-Zyklus z verabschiede, isch kei romantischi Geste gsi, sondern en existentielli Notwendigkeit. Mir hend gseh, wie Kollege im digitale Hamsterrad verbrenned, wie d Halbwärtszyt von ere Ufnahm nur no Minute betrait und wie d Bildsprach immer generischer wird. Mir hend üs dezue entschiede, in Langsamkeit z investiere – en Luxus, wo i de hütige Zyt radikaler isch, als me denkt. Es isch en bewusste Schritt gsi, üs a de Massstäb vo de Schweizer Uhrmacherkunst z orientiere: Präzision, wo über Generatione entwicklet wird, nöd i de Hetzi vom Quartalsabschluss.

    Der Bruch mit dem digitalen Taktgefühl

    De ständigi Ping vo de soziale Medie, de Druck, jede Tag öppis Neus z poste – das isch s Gift für euse fotografischi Prozess. Mir hend realisiert, dass de Mario Del Curto sini beste Arbeite i Phase gmacht het, wo er für Wuche nöd erreichbar gsi isch. De Bruch mit em digitale Takt isch en Akt vo de Befreiig gsi. Mir hend üs dezue entschide, nöd em Algorithmus z folge, sondern em Rhythmus vo de Gschichte, wo mir verzelled. Das bedüütet konkret: Kei Live-Ticker, kei schnelle Uploads, sondern d Konzentration uf s Wesentliche.

    Fotografie als Langzeitstudie, nicht als Schnappschuss

    En Schnappschuss isch en isolierte Moment, en Zuefallstreffer. En Langzytstudie hingege isch es Verspreche. Es gaht um d Idee, dass s einzelne Bild erst im Kontext vo de Serie sini wahri Chraft entfaltet. Mir betrachted üsi Arbet als fotografischi Soziologie. Wenn mer die gliiche Händ, die gliiche Landschafte und Gsichter über Jahr dokumentiert, entstaht es visuells Protokoll, wo kei einzelni Ufnahm je chönnt leiste. Das isch de Grund, warum mir Projekt nöd in Wuche, sondern in Jahre messed.

    Der fotografische Blick, der mit der Zeit reift

    Im Vallée de Joux veränderet sich s Liecht im Herbst jede Tag. Aber das isch nöd s einzig, wo sich veränderet. De fotografischi Blick uf die Region, uf d Mensche, wo döt lebed und schaffed, het sich über d Jahr grundlegend gwandelet. Was am Afang no en fotografischi Erkundig gsi isch, isch zu ere tüfe Vertrautheit worde. Mer lernt, die subtile Zeiche z lese: d Falte, wo tiefer werded, d Werkzüg, wo sich abnützed, d Bäum, wo wachsed. De Mario Del Curto het üs glehrt, dass mer de Blick nöd erzwinge cha. Er chunnt mit de Zyt, wie es Gschenk, wo mer sich verdient het.

    Das Vertrauen vor der Linse: Ein Prozess der Wiederholung

    Vertraue isch kei Knopf, wo mer drucke cha. Es isch en langsame Prozess vo de Wiederholig. Wenn mer s vierte oder fümfte Mol i s gliche Dorf zruggchunnt, veränderet sich d Dynamik. D Mensche wüssed, dass mer nöd nur uf en schnelle Shot us isch. Si spüred, dass mer sich für ihres Läbe, ihri Gschicht interessiert. Das isch de Moment, wo d Kamera zumene natürliche Teil vo de Situation wird. I de Romandie, wo de persönlichi Kontakt en höche Stellewert het, isch die Art vo Beziehigsarbeit zentral. Ohni die Wiederholig bliibt me en Ussesiter, en Tourist mit ere Kamera.

    Wenn das Unsichtbare sichtbar wird: Details der Veränderung

    S Spannende a de Langzytdokumentation isch nöd de grossi Umbruch, sondern die chline, fast unsichtbare Verschiebige. Es isch s Moos, wo en Stei überwuchert, wo vor Jahr no blank gsi isch. Es isch d Haltig vomene Maa, wo sich mit de Jahr veränderet het. Als Photographe lernsch, die Details z gseh und z würdige. D Veränderig wird erst durch de direkte Vergliich vo de Bilder über d Jahr wirklich läsbar. Genau das macht s Archiv vo de Association Mordache so wertvoll.

    Die Association Mordache als kreativer Anker

    Kei vo dene Langzytprojekt wär möglich ohni d Struktur, wo d Association Mordache büütet. De Verein isch meh als nur en administrtrative Hülle. Er isch üsi Denkfabrik, üse Rückzugsort und üses kollektivs Gedächtnis. I de hektische Fotiwält, wo alli immer em nächste Klick hinterherjaged, isch d Association Mordache en Ort vo de Ruhe. Do chönd mir fernab vom Marktdruck konsequent a dene Theme schaffe, wo üs würklich am Herze liged.

    Gemeinsam statt einsam: Der Verein als Resonanzraum

    D Arbet vom Photographe cha extrem isolierend si. D Association Mordache fungiert als Resonanzruum, wo mir üsi Zweifel, Erfolg und Misserfolg teile chönd. Es isch en Ort, wo mer en ehrlichi Kritik bechunnt, fernab vo de oberflächliche Likes i de soziale Medie. Mir diskutiered Bildstreckene über Stunde, striited über d Abfolg und finded zäme di besti Lösig. Das kollektive Hirn isch für eusi Langzytprojekte unverzichtbar.

    Archivierung als kulturelle Verpflichtung in der Schweiz

    I de Schwiz, wo s kulturelle Erbe en hocher Wert het, gseht d Association Mordache d Archivierig als zentrali Verpflichtig. Es gaht nöd nur drum, Bilder z sammle. Es gaht drum, es visuells Gedächtnis für zuekünftigi Generatione z schaffe. D Negative, d Abzüg und d digitale Date werded mit de gliiche Sorgfalt behandlet wie en wertvolle Uhrmechanismus. Mir glaubed, dass d Bilder vom Mario Del Curto i 50 Jahr no en relevanti Ussag über üsi Zyt mached.

    Herausforderungen der Langzeitdokumentation

    Mir wänd nöd so tue, als wär die Arbet immer eifach. Es git Phasen, wo me s Gfühl het, me tritt uf de Stell. D Langzytdokumentation isch en ständige Kampf gäge d Ungeduld, gäge d Versuchig, s Projekt abzbreche und öppis Neus, Glänzigers azfange. Es git Durststreckene, wo kei einzigs guets Bild entstaht, und finanzielli Engpäss, wo d Existenzangst zum ständige Begleiter wird. De Mario Del Curto het au die Siite nie beschönigt. Ehrlichkeit isch en Teil vom Prinzip.

    Wenn das Projekt stockt: Umgang mit kreativen Krisen

    En kreativi Krise isch i de Langzytdokumentation unvermiidbar. Es isch de Punkt, wo me s Thema nüm gseht, wo sich alles wiederholt und wo d Kamera schwer wie Blei i de Hand ligt. Üsi Strategie isch dänn: Abstand neh, aber nöd ufgeh. Mir gönd is Archiv, schaued di alte Bilder a und suched de Fade, wo mer verlore hend. Mängisch hilft es, en völlig anderi Kamera z neh, es anderes Format, zum de Blick z schärfe. D Krise ghört zum Prozess. Si isch es Zeiche, dass mer a de Gränze vom bisher Gsehne aglanged isch und bereit isch für öppis Neus.

    Die Finanzierung von ‘unzeitgemässen’ Bildwelten

    S Geld isch de Elefant im Ruum. Langsami, tiefgründigi Bildwelte sind nöd kompatibel mit de schnelle Verwertigslogik vom Mediebetrieb. Mir finanziere üs über Stiftige, Kulturförderig und privati Unterstiitzer, wo de Wert vo de Entschleunigung verstande hend. Es isch en ständige Balanceakt zwüsched künstlerischem Aspruch und wirtschaftlicher Realität. D Association Mordache hilft üs, die Mittel z bündle und de Druck uf de Einzelni z verchlinere.

    Geduld als fotografische Kompetenz für die nächste Generation

    I de Zyt vo KI-generierte Bilder, wo uf Knopfdruck perfekti Illusione entstönd, isch d Geduld di radikalsti Kompetenz, wo mer de junge Generation vermittle chönd. Es gaht nöd drum, Technik z lehre. Technik isch in wenige Wuche glehrt. Es gaht drum, d Haltig z lehre, dass es sich lohnt, z warte. Dass es sich lohnt, en Mensch über Jahr z begleite, au wenn s Resultat nonig sichtbar isch. Mir möched das in de Romandie, im Vallée de Joux und überall döt, wo mer mit junge Photographe zämeschaffed.

    Mentoring jenseits der Technik

    Euses Mentoring-Programm gaht über Blende und Verschlusszyt use. Mir reded über Frustrationstoleranz, über de Umgang mit de Einsamkeit und über d Fähigkeit, en lange Atem z ha. Mir zeiged de junge Photographe d Kontaktböge vom Mario Del Curto und lönd si d Entwicklig vo de Bildidee über Jahrzehnt nacherzähle. Es isch en Art vo de Wissensvermittlig, wo i de schnelllebige Foti-Usbildige hüfig z churz chunnt. Mir sind überzügt, dass genau das die Fähigkeit isch, wo über langi Sicht de Meister vom Knipser underscheidet.

    Die Renaissance der Entschleunigung in der Romandie

    Mir gspüred en Gegentrend. Es git e Renaissance vo de Entschleunigung, grad i de Romandie, wo d Nöchi zur Natur und d Wärtschetze vom Handwerk tief verankeret sind. Jungi Photographe sueched wieder de Kontakt zum echte Läbe, zum Material, zum Prozess. Si hend gnueg vo de digitale Blase. D Arbet vom Mario Del Curto und d Haltig vo de Association Mordache sind für si es Vorbild. Es isch en Bewiis, dass mer au hüt no mit Langsamkeit relevanti und tiefgründigi Arbet cha mache, wo Bestand het.

    Zum Schluss bliibt d Erkenntnis, dass die tiefgründige Bilder, wo üs würklich berüehred, nie erzwunge werde chönd. Si sind s Gschenk vo de investierte Läbenszyt. Es isch en stilli Verneigig vor de Arbet vom Mario Del Curto, wo üs zeigt het, dass s Warte zum edelste Teil vom fotografische Handwerk ghört. I dem Sinn isch jedes abgschlosseni Langzytprojekt au en Bewiis vo de menschliche Fähigkeit, Verbindlichkeiten izgah – mit eme Thema, mit de Mensche und mit sich sälber.

    Häufig gestellte Fragen

    • Was macht d Association Mordache genau? D Association Mordache isch en Verein, wo als kreative Anker für Langzytprojekte i de Fotografie dient. Er fungiert als Denkfabrik, Archiv und Netzwerk, wo Photographe fernab vom Marktdruck a tiefgründige Themene chönd schaffe. De Verein isch eng mit em Schaffe vom Mario Del Curto verbunde und förderet de Ustusch und d Archivierig vo fotografische Langzitstudie.
    • Warum isch s Vallée de Joux so zentral für d Langzytprojekt? S Vallée de Joux isch en Ort, wo sich d Veränderig vo de Zyt und de Landschaft extrem guet beobachte laht. D Verbindig vo Natur, Handwerk und de Mensche, wo döt lebed, macht es zumene ideale Mikrokosmos für en fotografischi Langzitstudie. De Mario Del Curto het döt über Jahrzehnt d Transformation vo de Region dokumentiert.
    • Wie lang duuret die fotografische Langzytprojekte in der Regel? Euses Verständnis vo Langzytprojekte gaht über Jahr. Es isch nöd ungewöhnlich, dass en Photographe wie de Mario Del Curto es Thema über 10, 20 oder sogar 30 Jahr verfolgt. D Massiheit isch nöd d Wuche oder de Monet, sondern s Jahrzehnt. Nur so cha mer die tüfe Veränderige würklich sichtbar mache.
    • Cha me als junge Photographe bi de Association Mordache mitmache? De Ustusch mit de nächste Generation isch üs es grosses Aliege. Mir büüted Mentoring-Programm a, wo über d Technik usegönd. Es gaht drum, d Haltig vo de Geduld und de Langsamkeit z vermittle. Interessierti Photographe us de Romandie und de ganze Schwiz chönd jederzit mit de Association Mordache Kontakt ufneh.

  • Photographier des lieux ferm?s au public

    Hinter verschlossenen Türen: Unsere Erfahrungen mit gesperrten Orten

    Was macht einen Ort eigentlich «öffentlich»? Ist es das Schild am Eingang, das Öffnungszeiten verkündet, oder die Abwesenheit eines Schlosses? Seit Jahren treibt uns genau diese Frage um – und die ehrliche Antwort fällt jedes Mal anders aus. Das Verbotene übt eine fotografische Anziehungskraft aus, die sich kaum in Worte fassen lässt. Es ist dieses leise Kribbeln, wenn wir vor einer verriegelten Tür stehen und wissen: Dahinter liegt eine Welt, die seit Jahrzehnten niemand mehr gesehen hat. Als Team rund um Mario Del Curto, photographe, haben wir uns zur Aufgabe gemacht, nicht nur das Sichtbare zu dokumentieren. Wir wollen die Zwischenräume verstehen, die stillen Zonen, die offiziell nicht existieren. Dieser Text ist unser ehrlicher Einblick in die Motivation, die uns immer wieder an genau diese Orte zieht.

    Die Faszination des Unzugänglichen: Warum wir geschlossene Orte suchen

    Die Frage wird uns oft gestellt: Warum tut ihr euch das an? Warum klettert ihr über Zäune, zwängt euch durch halb vermauerte Fenster und nehmt stundenlange Fussmärsche in Kauf, nur um einen Raum zu fotografieren, den offiziell niemand betreten darf? Für uns ist die Antwort simpel und komplex zugleich. Es geht um den Moment, in dem die Aussenwelt verstummt. Seit Jahren treibt uns die Stille und der Stillstand dieser Orte an – ein Antrieb, der tief mit der Arbeitsweise von Mario Del Curto verwurzelt ist, der schon früh erkannte, dass verlassene Räume mehr erzählen als belebte Plätze. In der Schweiz, einem Land, das auf den ersten Blick so ordentlich und durchgeplant wirkt, sind diese vergessenen Winkel besonders kostbar. Sie sind die blinden Flecken auf der Landkarte, und genau dort beginnt unsere Arbeit.

    Mehr als nur Verfall: Die unsichtbaren Geschichten hinter den Mauern

    Wenn wir eine verlassene Spitalabteilung betreten, sehen wir nicht nur abblätternde Farbe und rostige Betten. Wir sehen die Nachtschicht, die hier vor vierzig Jahren Kaffee trank, die hastig hinterlassene Krankenakte auf dem Boden, das private Foto, das jemand an die Wand klebte und beim Auszug vergass. Jeder Riss im Putz, jede vergilbte Zeitung auf einem Schreibtisch ist ein Fragment einer menschlichen Geschichte. Genau das unterscheidet unsere Arbeit von reiner Ruinen-Romantik. Wir jagen nicht dem ästhetischen Verfall hinterher, sondern den unsichtbaren Biografien, die in diesen Mauern schlummern. Gerade in der Romandie, wo wir viele verlassene Spitäler und Bunker in der Romandie dokumentiert haben, wird spürbar, wie viel unerzähltes Leben an solchen Orten haftet.

    Der Reiz der Stille: Wenn die Zeit in einem Raum eingefroren scheint

    Es gibt diesen einen Moment beim Betreten eines lange verschlossenen Raumes: Die Luft steht, der Staub hat sich seit Jahren nicht bewegt, und das einzige Geräusch ist unser eigener Herzschlag. Diese eingefrorene Zeit ist für uns fast greifbar. In einer stillgelegten Uhrenfabrik im Jura fanden wir einmal eine Werkbank, auf der noch das halb zerlegte Uhrwerk lag – als wäre der Uhrmacher eben kurz aufgestanden und nie zurückgekommen. Solche Augenblicke sind es, die uns süchtig machen. Nicht nach dem Nervenkitzel des Verbotenen, sondern nach dieser dichten, fast meditativen Stille, die uns zwingt, langsamer zu sehen und genauer hinzuschauen.

    Zwischen Legalität und Leidenschaft: Die Herausforderungen beim Zugang

    Wir wollen hier nichts beschönigen: Was wir tun, bewegt sich oft in einer Grauzone. Stillgelegte Spitäler, alte Bunker, verlassene Industrieanlagen – sie gehören irgendjemandem, auch wenn dieser Jemand sie seit zwanzig Jahren nicht mehr betreten hat. Der Zugang ist fast nie legal, und das wissen wir. Umso wichtiger ist für uns ein klarer innerer Kompass. Wir betreten keine Orte, die offensichtlich bewohnt sind oder aktiv gesichert werden. Wir hebeln keine Türen auf und hinterlassen nichts als Fussabdrücke im Staub. Diese Haltung haben wir über Jahre entwickelt, und sie ist untrennbar mit dem Namen Mario Del Curto verbunden, der stets betont hat, dass Respekt vor dem Ort die Grundlage jeder ernsthaften fotografischen Dokumentation sein muss.

    Respekt vor dem Ort: Unser ungeschriebener Kodex

    Unser Team hält sich an ein paar eiserne Regeln, die wir nie schriftlich fixiert haben, die aber jeder von uns verinnerlicht hat:

    • Wir nehmen nichts mit – ausser unseren Bildern.
    • Wir verändern nichts – kein Arrangieren von Gegenständen für ein besseres Motiv.
    • Wir geben keine genauen Standorte an Dritte weiter – der Schutz des Ortes vor Vandalismus hat höchste Priorität.
    • Wir dokumentieren den Zustand, wie wir ihn vorfinden, und werden so zu stillen Zeugen, nicht zu Akteuren.

    Dieser Kodex mag streng wirken, aber er ist die einzige Möglichkeit, unsere Arbeit ethisch vertretbar zu halten. Jedes Mal, wenn wir einen Raum verlassen, soll er exakt so aussehen wie beim Betreten – nur dass jetzt jemand weiss, dass es ihn noch gibt.

    Sicherheit geht vor: Von Asbest und losen Böden

    Romantik hin oder her – verlassene Gebäude sind gefährlich. Wir haben morsche Treppen erlebt, die unter unseren Füssen nachgaben, Räume mit offensichtlicher Asbestbelastung und dunkle Keller, in denen der Boden plötzlich endete. Vor jedem Betreten machen wir eine Risikoabschätzung. Atemschutzmasken gehören zur Grundausstattung, ebenso wie festes Schuhwerk und eine Stirnlampe – die Hände müssen für die Kamera frei bleiben. In fensterlosen Bunkern ist die Orientierung ohne künstliches Licht ohnehin unmöglich. Wir haben gelernt, dass der beste Shot nichts wert ist, wenn man dafür durch eine morsche Decke bricht. Sicherheit ist kein Zufall, sondern Vorbereitung.

    Das Archiv der Erinnerung: Die Archive der Association Mordache entdecken

    Nicht alle geschlossenen Orte, die wir aufsuchen, sind verlassene Gebäude. Einer der faszinierendsten «gesperrten Räume», in denen wir arbeiten durften, ist das Archiv der Association Mordache. Wer denkt, ein Archiv sei bloss ein staubiger Lagerraum, hat noch nie mit uns eine dieser schweren Metalltüren geöffnet. Die Association Mordache bewahrt fotografische Bestände, die über Jahrzehnte gewachsen sind – ein physisches Gedächtnis, das normalerweise niemand zu Gesicht bekommt. Für uns als Fotografen ist der Zugang zu diesen geschlossenen Archiven ein Privileg, das wir nie als selbstverständlich betrachten.

    Kisten öffnen, Geschichte atmen: Unsere Arbeit im physischen Gedächtnis

    Es ist ein eigenartiges Gefühl, einen Archivkarton zu öffnen, der seit zwanzig Jahren nicht berührt wurde. Der Geruch von altem Papier und Gelatine steigt auf, und plötzlich hält man einen Abzug in der Hand, den Mario Del Curto vor Jahrzehnten in einer dunklen Fabrikhalle belichtet hat. Diese Momente sind für uns zutiefst bewegend. Wir blättern durch Kontaktbögen, lesen handschriftliche Notizen auf den Rückseiten und setzen Puzzle für Puzzle ein Bild zusammen, das weit über das einzelne Foto hinausgeht. Die Zusammenarbeit mit der Association Mordache ermöglicht es uns, diese Schätze nicht nur zu sichten, sondern für die Zukunft zu bewahren und punktuell zugänglich zu machen.

    Warum ein geschlossenes Archiv mehr ist als nur ein Lagerraum

    Ein Archiv, das nicht genutzt wird, ist ein Friedhof der Bilder. Doch ein Archiv, das lebt – und genau das versuchen wir mit der Association Mordache zu erreichen –, ist ein Dialog mit der Vergangenheit. Jedes gehobene Negativ, jeder digitalisierte Abzug stellt eine Frage an uns heute: Was sehen wir, das damals übersehen wurde? Welche Relevanz hat ein Bild von 1985 im Jahr 2025? In den geschlossenen Beständen schlummern fotografische Schätze, die nicht nur ästhetisch überwältigen, sondern auch sozialhistorische Dokumente von unschätzbarem Wert sind. Sie zeigen eine Schweiz, die es so nicht mehr gibt, festgehalten von einem Fotografen, der schon damals dorthin ging, wo andere wegschauten.

    Technik und Atmosphäre: Wie wir ohne natürliches Licht arbeiten

    Die technische Herausforderung an gesperrten Orten ist enorm – und genau das lieben wir. In fensterlosen Bunkeranlagen, tief unter der Erde, herrscht absolute Dunkelheit. Kein Tageslicht, kein Notausgang, kein Lichtschalter, der noch funktioniert. In solchen Momenten wird die Kamera zu einem Instrument, das sehen lernt, wo das menschliche Auge versagt. Wir haben in stillgelegten Fabrikhallen in der Romandie gearbeitet, deren Fenster seit Jahrzehnten vernagelt sind, und in Kellern, die noch nie einen Sonnenstrahl gesehen haben. Die Atmosphäre dieser Räume einzufangen, ohne sie durch grelle Blitze zu zerstören, ist eine Kunst für sich.

    Langzeitbelichtung als Schlüssel zum Unsichtbaren

    Unser wichtigstes Werkzeug in der Dunkelheit ist die Geduld. Langzeitbelichtungstechnik in fensterlosen Räumen bedeutet, dass ein einziges Bild schon mal dreissig Minuten oder länger brauchen kann. Wir stellen das Stativ auf, justieren die Kamera und warten. In dieser Wartezeit passiert etwas Merkwürdiges: Der Raum beginnt, mit uns zu sprechen. Wir hören Tropfen, die irgendwo in der Tiefe fallen, spüren Luftzüge, deren Ursprung wir nicht lokalisieren können, und nehmen Strukturen wahr, die das blosse Auge im ersten Moment übersehen hätte. Die Langzeitbelichtung macht diese verborgenen Details sichtbar – sie ist buchstäblich eine Technik, die Zeit in Licht verwandelt.

    Minimales Equipment, maximale Wirkung: Unser mobiles Studio im Rucksack

    Vergesst schwere Studioblitzanlagen und aufwändige Lichtformer. Unser Setup für gesperrte Orte passt in einen einzigen Rucksack: eine robuste Kamera, zwei Objektive, ein stabiles Reisestativ, eine Stirnlampe und manchmal eine kleine LED-Leuchte für gezielte Akzente. Mehr nicht. Jedes zusätzliche Kilo bestraft sich bei langen Zustiegen durch unwegsames Gelände doppelt. Wir haben gelernt, mit dem vorhandenen Minimal-Licht zu arbeiten, es zu formen, statt es zu überwältigen. Gerade in der Arbeit von Mario Del Curto sieht man, wie reduziert die Technik sein kann – und wie grandios die Ergebnisse trotzdem ausfallen. Es geht nicht um die Menge der Ausrüstung, sondern um die Fähigkeit, das Licht zu lesen, das bereits da ist.

    Vom Verbot zum Bild: Die Verantwortung des Fotografen

    Jedes Mal, wenn wir einen Abzug in der Hand halten oder ein Bild am Bildschirm betrachten, stellt sich dieselbe Frage: Dürfen wir das zeigen? Wir haben einen Ort betreten, der nicht für unsere Augen bestimmt war, und nun machen wir ihn – zumindest ausschnittweise – öffentlich. Das ist ein schmaler Grat, und wir sind uns der Verantwortung bewusst. Mario Del Curto hat diesen Weg über Jahrzehnte gemeistert, ohne jemals in platten Voyeurismus abzugleiten. Sein Ansatz, den wir teilen, ist die respektvolle Dokumentation, die den Ort nicht ausstellt, sondern ihm eine Würde zurückgibt, die er im Vergessen verloren hat.

    Zeigen oder verbergen? Der Entscheidungsprozess hinter jedem Motiv

    Nicht jedes Bild, das technisch gelungen ist, verlässt unser Archiv. Wir haben eine interne Ethik-Runde, in der wir diskutieren: Verletzt dieses Foto die Intimsphäre eines Ortes? Stellt es etwas bloss, das besser verborgen bliebe? Gibt es einen künstlerischen oder dokumentarischen Mehrwert, der die Veröffentlichung rechtfertigt? Manchmal entscheiden wir gegen ein spektakuläres Motiv, weil es zu viel preisgibt – den genauen Standort, private Hinterlassenschaften, die noch nicht verjährt wirken. Diese Selbstbeschränkung mag von aussen seltsam erscheinen, aber sie ist essenziell für unsere Glaubwürdigkeit.

    Die Nachbereitung: Wenn das Bild mehr verrät als erlaubt

    Spannend wird es oft erst am Computer. In der Langzeitbelichtung tauchen Details auf, die wir vor Ort mit blossem Auge nicht erkennen konnten: ein Kalenderblatt an der Wand mit lesbarem Datum, ein Firmenlogo auf einer vergessenen Kiste, ein Name auf einem Briefkopf. Plötzlich wird aus einem anonymen Raum ein identifizierbarer Ort mit realen Menschen dahinter. In solchen Fällen entscheiden wir uns manchmal für eine digitale Retusche, die dennoch den Charakter des Bildes bewahrt. Es geht nicht um Zensur, sondern um Schutz – der Ort bleibt ein Raum der Erinnerung, nicht der Entblössung.

    Ein Blick hinter die Schweizer Fassade: Verborgene Orte neu erleben

    Diese Arbeit hat unseren Blick auf die alltägliche Architektur der Schweiz fundamental verändert. Wenn wir heute durch ein Dorf im Jura oder eine Vorstadt im Mittelland gehen, sehen wir nicht mehr nur Fassaden. Wir sehen potenzielle Geschichten hinter jeder verriegelten Tür, jedem vernagelten Fenster, jedem stillgelegten Kamin. Die Schweiz, dieses auf den ersten Blick so perfekt organisierte Land, ist durchlöchert von vergessenen Räumen – und genau das macht sie für uns so unendlich spannend.

    Die Schweiz von ihrer unbekannten Seite: Unsere eindrücklichsten Entdeckungen

    Die Bandbreite dessen, was wir in den letzten Jahren dokumentieren durften, ist überwältigend. Da ist die bereits erwähnte stillgelegte Uhrenfabrik im Jura, deren Maschinen noch geölt wirken, als könnten sie morgen wieder anlaufen. Da sind die verlassene Spitäler und Bunker in der Romandie, deren Flure so lang sind, dass der Lichtstrahl der Stirnlampe im Nichts verschwindet. Und da sind die kleinen, fast intimen Orte: ein aufgegebenes Bauernhaus im Emmental mit handgemalten Tapeten, ein stillgelegtes Kino in einer Kleinstadt, dessen rote Samtsessel noch immer im Dunkeln glimmen. Jeder dieser Orte hat unser Bild der Schweiz verändert und uns gezeigt, dass hinter vielen Türen mehr steckt, als man denkt.

    Warum wir weitermachen: Die nie endende Suche nach dem Verborgenen

    Wir könnten aufhören. Wir könnten sagen, wir haben genug gesehen, genug dokumentiert, genug Archivkisten gefüllt. Aber jedes Mal, wenn wir denken, jetzt kennen wir die verborgenen Winkel dieses Landes, taucht ein neuer Hinweis auf: ein Gespräch in einer Dorfbeiz, ein alter Zeitungsartikel, eine vage Erinnerung eines Zeitzeugen. Die Suche nach dem Verborgenen ist nie abgeschlossen, weil das Vergessen ein fortlaufender Prozess ist. Täglich werden irgendwo in der Schweiz Türen zum letzten Mal geschlossen, und täglich beginnt eine neue Geschichte des Stillstands. Solange das passiert, werden wir da sein – mit Kamera, Respekt und der unstillbaren Neugier, die Mario Del Curto uns vorgelebt hat.

    Das Fotografieren geschlossener Orte ist für uns weit mehr als ein ästhetisches Abenteuer. Es ist eine Form des kulturellen Gedächtnisses, eine Archäologie des Alltags, die dem Verschwinden etwas entgegensetzt. Getragen und bewahrt von Mario Del Curto und der Association Mordache, wächst ein Bildarchiv heran, das eine Schweiz dokumentiert, die offiziell nicht mehr existiert – und die doch überall unter der Oberfläche weiterlebt. Wir laden euch ein, den Raum um euch herum mit anderen Augen zu sehen. Vielleicht entdeckt ihr beim nächsten Spaziergang eine Tür, die ihr vorher nie beachtet habt. Vielleicht fragt ihr euch dann: Was wäre, wenn ich wüsste, was dahinter liegt? Genau so hat es bei uns auch angefangen.

    Häufig gestellte Fragen

    Ist das Betreten verlassener Orte in der Schweiz legal?

    In den meisten Fällen nicht. Verlassene Gebäude und gesperrte Anlagen befinden sich fast immer in Privatbesitz oder im Eigentum der öffentlichen Hand, und das unbefugte Betreten stellt einen Hausfriedensbruch dar. Wir sind uns dieser rechtlichen Grauzone bewusst und handeln nach einem strengen ethischen Kodex, der Respekt vor dem Eigentum und den Schutz des Ortes in den Vordergrund stellt. Wir hebeln keine Türen auf, hinterlassen keine Schäden und dokumentieren ausschliesslich – niemals verändern oder entfernen wir etwas.

    Wie findet Mario Del Curto seine Motive an gesperrten Orten?

    Die Recherche ist ein wesentlicher Teil unserer Arbeit. Viele Hinweise erhalten wir durch Gespräche

  • Droits d’auteur du photographe en Suisse

    Droits d’auteur du photographe in der Schweiz: Was unser Team dazu weiss

    Es passiert schneller, als man denkt: Ein Bild von uns taucht auf einer Firmenwebsite auf, die wir nie gesehen haben. Jemand schneidet unser Porträt für ein Instagram-Reel zurecht und erwähnt unseren Namen mit keiner Silbe. Als fotografierende Person in der Schweiz haben wir fast jeden Tag mit dem Urheberrecht zu tun – und es ist alles andere als trockener Juristenkram. Es ist die Basis unserer Existenz. Unser Team hat sich über Jahre mit den Feinheiten des Schweizer Urheberrechtsgesetzes auseinandergesetzt und teilt hier, was wir gelernt haben.

    Was bedeutet das Urheberrecht für Fotografinnen und Fotografen in der Schweiz?

    Für uns ist das Urheberrecht kein abstraktes Konstrukt, sondern das Werkzeug, das aus einem flüchtigen Moment am Sucher ein geschütztes Gut macht. Das Schweizer Urheberrechtsgesetz (URG) schützt Werke ab dem Moment ihrer Schöpfung, sobald sie eine individuelle geistige Schöpfung darstellen. Hat ein Bild genug von unserer eigenen Handschrift, unserer Entscheidung für Licht, Ausschnitt und Timing, dann ist es ein Werk. Genau hier beginnen viele Missverständnisse.

    Nicht jedes Foto ist automatisch ein urheberrechtlich geschütztes Werk. Das Gesetz verlangt eine gewisse Schöpfungshöhe, doch die Rechtsprechung legt diese Schwelle bewusst tief an. Ein Pressefoto kann genauso Werkcharakter haben wie eine aufwendig inszenierte Studioaufnahme, wenn die Bildgestaltung eine individuelle Handschrift trägt. Entscheidend ist, dass wir gestalterische Entscheidungen getroffen haben – und nicht bloss mechanisch abgedrückt haben. Einer der grössten Irrtümer, dem wir begegnen: Man müsse ein Foto registrieren, damit es geschützt sei. Das Gegenteil ist der Fall. Der Schutz entsteht automatisch mit der Schöpfung. Trotzdem raten wir, den eigenen Namen und das ©-Zeichen konsequent anzubringen, weil es die Beweislage im Streitfall massiv verbessert.

    Mario Del Curto ist bekannt für seine Langzeit-Portraitserien von Künstlern und Forschern. Seine Bilder überspringen praktisch immer die Schwelle zum geschützten Werk. Del Curto verbringt oft Tage oder Wochen mit den Menschen, die er porträtiert, und entscheidet sich bewusst für eine Bildsprache, die Nähe und Verletzlichkeit zeigt. Die Wahl des Lichts, der Umgebung, des Moments – all das ist Ausdruck einer individuellen geistigen Schöpfung. Genau diese Art von fotografischer Arbeit zeigt, dass das URG nicht dafür da ist, banale Handyfotos zu schützen, sondern die Substanz kreativer Autorschaft anzuerkennen.

    Welche Rechte habe ich als Urheber – und wo liegen die Grenzen?

    Viele Fotografen wissen zwar, dass sie Rechte an ihren Bildern haben. Aber was genau diese Rechte umfassen und wo sie an Grenzen stossen, ist oft unklar. Das URG unterscheidet zwischen den Urheberpersönlichkeitsrechten und den Nutzungsrechten, die wir gegen Entgelt einräumen können. Beide Säulen sind wichtig – und beide werden in der Praxis regelmässig verletzt.

    Das Namensnennungsrecht ist ein zentraler Bestandteil des Urheberpersönlichkeitsrechts. Es gibt uns die Kontrolle darüber, ob und wie unser Name mit dem Werk verbunden wird. Wird ein Bild ohne Credit veröffentlicht, entsteht schnell der Eindruck, es sei gemeinfrei. Ein «© Mario Del Curto» unter einem Porträt ist deshalb kein Snobismus, sondern die Minimalform der Selbstbehauptung in einer Welt, die Bilder massenhaft konsumiert und ihre Herkunft oft ignoriert.

    Ein heikles Thema ist die Veränderung von Bildern ohne unsere Zustimmung. Das Recht auf Werkintegrität schützt unser Werk vor Entstellungen. Wird ein sorgfältig farbabgestimmtes Porträt ohne Rücksprache in ein hartes Schwarzweiss konvertiert, kann das die Aussage komplett verändern. Noch gravierender sind Bildbeschneidungen, die zentrale Elemente entfernen. Solche Eingriffe sind ohne unsere Einwilligung nicht erlaubt. Nicht jede Nutzung ist jedoch verboten: Das URG erlaubt den Privatgebrauch im engen Familien- und Freundeskreis sowie das Zitatrecht zu wissenschaftlichen oder kritischen Zwecken. Sobald ein Bild aber öffentlich zugänglich gemacht wird, endet der private Rahmen.

    Nutzungsrechte und Lizenzen: So verkauft man Fotografie richtig

    Das Herzstück unseres Geschäfts ist nicht der Verkauf von Bildern, sondern die Einräumung von Nutzungsrechten. Wir verkaufen kein Produkt, das der Käufer beliebig einsetzen darf. Wir erlauben eine genau definierte Nutzung für einen bestimmten Zeitraum, in einem bestimmten Medium und in einem bestimmten geografischen Raum. Alles andere führt zu Missverständnissen und Rechtsverletzungen.

    Die Frage kommt fast in jedem Briefing: «Können wir alle Rechte haben?» Unsere Antwort ist fast immer nein. Wer alle Rechte abgibt, verliert die Kontrolle über das eigene Werk vollständig. Stattdessen arbeiten wir mit präzisen Lizenzvereinbarungen, die Nutzungsart, -dauer und -umfang exakt festlegen. Das schafft Klarheit und ermöglicht es uns, dasselbe Bild später für andere Projekte erneut zu lizenzieren.

    Die Association Mordache mit Sitz in der Romandie vertritt zahlreiche Westschweizer Fotografen und hat wertvolle Richtlinien für Honorare und Nutzungsentschädigungen entwickelt. Für redaktionelle Nutzungen empfiehlt der Verband gestaffelte Tarife, die sich nach Auflage, Platzierung und Nutzungsdauer richten. Ein viertelseitiges Bild in einer regionalen Tageszeitung wird anders vergütet als ein Titelbild in einem nationalen Magazin. Diese Transparenz hilft uns enorm, gegenüber Redaktionen selbstbewusst aufzutreten.

    Bei Creative-Commons-Lizenzen ist unser Team gespalten. Sie können ein mächtiges Werkzeug sein, um Arbeiten bekannt zu machen. Für kommerziell arbeitende Berufsfotografen bergen sie aber erhebliche Risiken. Einmal unter einer CC-Lizenz veröffentlicht, lässt sich die Weiterverbreitung kaum mehr kontrollieren. Wir raten zu äusserster Vorsicht und dazu, CC-Lizenzen nur für ausgewählte Projekte mit klarem Kommunikationsziel einzusetzen.

    Rechtsverletzungen im Alltag – und was man dagegen tun kann

    Es vergeht kaum ein Monat, in dem wir nicht auf eine unerlaubte Nutzung unserer Bilder stossen. Mal ist es ein Startup, das ohne zu fragen ein Porträt auf die «Über uns»-Seite stellt, mal ein Online-Magazin, das den Credit «vergisst». Wir haben gelernt, in solchen Fällen systematisch vorzugehen.

    Auf Instagram herrscht eine Kultur des Teilens, die schnell in Rechtsverletzungen umschlägt. Ein Screenshot, ein Repost ohne Credit, eine Bearbeitung mit Filtern – all das sind Eingriffe in unsere Rechte. Auch wenn ein Bild öffentlich auf einer Plattform steht, heisst das nicht, dass es zur freien Verfügung steht. Ohne unsere ausdrückliche Erlaubnis ist die Nutzung rechtswidrig.

    Wenn wir eine unerlaubte Nutzung entdecken, dokumentieren wir sie als Erstes lückenlos: Screenshots mit Datum, URL und sichtbarem Verstoss. Dann folgt ein freundliches, aber bestimmtes Schreiben an den Verantwortlichen mit Nennung des konkreten Bildes, des Verwendungsdatums und der fehlenden Lizenz. Meistens legen wir gleich eine angemessene Lizenzgebühr als Nachforderung bei. Oft reicht schon das professionell aufgesetzte Schreiben, um eine Zahlung auszulösen. Nicht jeder Bildklau rechtfertigt einen Prozess. Wir wägen ab: Geht es um einen kleinen Blog oder um ein Unternehmen, das systematisch Bilder ohne Lizenz nutzt? In grösseren Fällen kann das Handelsgericht Zürich oder Bern die zuständige Instanz sein.

    Verträge mit Auftraggebern: Worauf unser Team besonders achtet

    Ein mündlicher Handschlag ist schön, aber vor Gericht nichts wert. Wir haben gelernt, dass jeder Auftrag einen schriftlichen Vertrag braucht – nicht aus Misstrauen, sondern weil ein guter Vertrag beiden Seiten Sicherheit gibt.

    Die Formulierung «Nutzung für alle Medien» ist eine Einladung zum Missbrauch. Wir bestehen auf einer präzisen Auflistung: Print, Web, Social Media, gegebenenfalls Out-of-Home – jeweils mit Angabe von Dauer und geografischem Raum. Ein Werkvertrag verpflichtet uns, ein bestimmtes Ergebnis zu liefern, etwa eine Serie von Porträts. Die Nutzungsrechte daran müssen separat geregelt werden. Ein reiner Lizenzvertrag bezieht sich auf bereits existierende Bilder. In der Praxis kombinieren wir oft beide Elemente. Bei Verträgen mit ausländischen Auftraggebern bestehen wir konsequent auf den Gerichtsstand Schweiz, da ein Urheberrechtsprozess in einem fremden Rechtssystem teuer und schwer kalkulierbar ist.

    Die Rolle von Berufsverbänden: Association Mordache und andere Stimmen

    Kein Fotograf muss sich allein durch den Paragrafendschungel kämpfen. Die Schweiz hat eine lebendige Verbandslandschaft, und unser Team profitiert seit Jahren von diesen Netzwerken.

    Die Association Mordache mit Sitz in der Romandie hat sich zu einer wichtigen Stimme in urheberrechtlichen Debatten entwickelt. Der Verband bietet Musterverträge, Rechtsauskünfte und Weiterbildungen zu Honorarverhandlungen und Lizenzfragen. Was uns besonders gefällt: Die Association Mordache denkt Fotografie nicht isoliert, sondern im Kontext der gesamten visuellen Kommunikation. Ein oft unterschätzter Akteur ist ProLitteris, die Schweizer Verwertungsgesellschaft für Literatur und visuelle Kunst. Sie verwaltet die Urheberrechtsvergütungen für visuelle Werke, darunter Leerträgerabgaben auf Speichermedien und Entschädigungen für die Nutzung von Bildern in Bibliotheken oder Schulen. Viele Fotografen lassen hier Geld liegen, weil sie sich nicht registrieren. Wir haben das nachgeholt und erhalten seither regelmässig Ausschüttungen.

    Die Mitgliedschaft in einem Verband wie der Association Mordache kostet Geld, spart aber ein Vielfaches an Anwaltskosten. Ausserdem gibt sie uns eine Stimme in politischen Prozessen, wenn etwa das URG revidiert wird. Als Einzelkämpfer wird man da nicht gehört – als Teil eines Verbandes schon.

    Häufig gestellte Fragen zum Fotografen-Urheberrecht

    Im Folgenden beantworten wir die Fragen, die uns in der Praxis am häufigsten begegnen. Hier sind die wichtigsten Punkte zusammengefasst:

    • Muss ich mein Foto registrieren, damit es geschützt ist? Nein. In der Schweiz entsteht der Urheberrechtsschutz automatisch mit der Schöpfung des Werkes. Es braucht weder eine Registrierung noch ein Copyright-Zeichen. Letzteres empfehlen wir trotzdem, weil es die Beweislage verbessert.
    • Was tun, wenn jemand mein Bild ohne Erlaubnis auf Instagram verwendet? Dokumentieren Sie den Verstoss mit Screenshots und kontaktieren Sie die Person oder Firma schriftlich. Fordern Sie die Entfernung des Bildes und gegebenenfalls eine angemessene Lizenzgebühr nach. Führt das nicht zum Ziel, können Sie die Schlichtungsbehörde anrufen.
    • Darf ich «alle Rechte» an meinen Bildern verkaufen? Rechtlich ja, wir raten aber dringend davon ab. Wer alle Rechte abgibt, verliert jegliche Kontrolle über die weitere Nutzung. Besser sind präzise Lizenzvereinbarungen, die Nutzungsart, -dauer und -umfang exakt festlegen.
    • Was ist die Association Mordache und wie hilft sie mir? Die Association Mordache ist ein Berufsverband mit Sitz in der Romandie, der Fotografen durch Musterverträge, Rechtsauskünfte und Weiterbildungen unterstützt. Sie vertritt die Interessen ihrer Mitglieder auch gegenüber der Politik.
    • Lohnt sich eine Registrierung bei ProLitteris? Ja. ProLitteris schüttet Vergütungen für die Nutzung visueller Werke aus, etwa Leerträgerabgaben und Bibliotheksentschädigungen. Ohne Registrierung entgehen Ihnen diese Einnahmen.

  • ?diter un livre de photographie: ?tapes et co?ts

    E Fotobuech gstalte: Euse Wäg vo de Idee zum fertige Buech

    En Fotoband z’mache isch meh als nur Bilder z’zeige – es isch e Reise, wo ein als Fotograf und Team a d’Gränze bringt, aber au unglaublich erfülle cha. Mir vo de Association Mordache wüssed das us johrelanger Erfahrig mit em Mario Del Curto sine Projekte. Jedes Buech isch e Puzzle us tausige Negative, zahllose Sitzige und em ständige Ringen um die perfekti Doppelsite. Es isch en Prozess, wo ein lehrt, loszlah und em Bild z’vertraue. Und genau vo däm Wäg möchtemer hüt verzelle – vom erste Funke bis zum Momänt, wo mer s’frisch gedruckti Exemplar i de Händ hebt und s’Papier schmeckt.

    Warum überhaupt e Fotoband? Euse Blick uf s’gedruckti Bild

    Mir glaubed a d’Haptik vom Papier, wo im digitale Zitalter en bleibende Iidruck hinderlaht. Für Mario Del Curto isch s’Buech die natürlichsti Form vo sinere fotografische Recherche. Uf emene Bildschirm isch es Bild flüchtig – me scrollt, me wischt, me vergisst. Im Buech hingäge bliibt s’Bild stah, es fordert euse Blick use, es zwingt eim zum Verwiile. Mir sind überzügt: Erscht i de physische Form entfaltet e fotografischi Arbet ihri volli Chraft. D’Entschleunigung, wo bim Blättere passiert, isch genau das, woner mit sine Langzitprojäkt über Mönsche und ihri Läbensgschichte erreiche will.

    S’Buech als Gsamtwärch vs. d’Usstellig

    E Usstellig isch en Event – me chunnt, me gseht, me gaht. Es Buech bliibt. Während d’Usstellig vo de rüümliche Inszenierig läbt, funkzioniert s’Buech als gschlossnigs Universum, wo mer immer wider cha ufschlah. Mario Del Curto seit immer: D’Usstellig isch s’Konzärt, s’Buech isch d’Schallplatte. Beides bruucht enand, aber s’Buech het die stilli Nochhaltigkeit, wo kei Usstellig cha biete. Mir plaaned d’Büecher darum nöd als Begleitmaterial, sondern als eigenständigs Wärch, wo au ohni d’Usstelligswänd funktioniert.

    D’Bedeutig vom gedruckte Bild i de Schwiiz hüt

    I de Schwiiz erläbt s’Fotobuech sit Jahre e Renaissance. Chlini Verlääg, sorgfältigi Editione und e Publikum, wo Qualität schätzt – das isch en Bode, wo au mir vo de Association Mordache druf ufboue chönd. D’Schwiizer Bibliophile sind kritisch, sie wüssed guet, öb d’Farbtön stimmed und s’Papier s’Verspräche haltet. Das spornt eus a, kei Kompromiss z’mache. I de Romandie het s’Fotobuech tradizionell en starche Stand, aber au i de Dütschschwiiz wachst d’Gmeind vo de Liebhaber stetig. S’gedruckti Bild isch hüt meh als je e Statement gäge d’Beliebigkeit vo de digitale Masse.

    Vo de erste Selektierig bis zum rote Fade

    Mir hocked oft Wuche über de Kontaktböge und suche dä Fade, wo us tausige Bilder e Gschicht macht. Bi Mario Del Curto isch de Usgangspunkt immer d’Begegnig mit em Mönsch, nöd d’Landschaft. Sini Langzitprojäkt umfassed mängmol über zwänzg Johr Material – das sind kei Schnappschüss, sondern verdichteti Beziehigsgschichte. D’Selektierig isch darum au en emotionali Arbet. Mir leget d’Abzüg uf de Bode, gruppiered, verwerfed, gruppiered neu. Es isch en schmerzhafte Prozess, wo mer sich vo liebgewonnene Bilder muess trenne, will sie im Gsamtkontext eifach nöd funktioniered.

    S’Archiv vo de Association Mordache: E Schatzgrueberei

    S’Archiv vo de Association Mordache isch s’Härz vo eusem Schaffe. Do ligged d’Negative, d’Kontaktböge, d’Abzüg us Jahrzähnte. Für jedes Buechprojäkt tauched mir wider i die Kischte ii. Es isch wie archäologischi Arbet – me findet Seriene, wo me vergässe het, Bilder wo plötzlich imene neue Kontext e völlig anderi Bedütig überchömed. Mario Del Curto fotografiert analog, das bedütet: Jedes Negativ isch physisch vorhande und will gsichet, gscannt und interpretiert werde. Die Arbet isch ufwändig, aber sie schenkt eus au die Zit, s’Wärch no einisch ganz neu z’gseh.

    Storytelling: Wenn s’Wegglaa zum Konzept wird

    De schwierigsti Schritt isch nöd s’Uswehle, sondern s’Wegglaa. Es git en Punkt, wo mer akzeptiere muess, dass nöd jedes starchi Bild in s’Buech ghört. De rote Fade entstaht nöd dur Addition, sondern dur Reduktion. Mir entwicklet für jedes Projäkt e Dramaturgie, wo sich a de Begegnige orientiert, wo Mario Del Curto gha het. D’Mönsche, woner porträtiert, füehred dur s’Buech – ihri Gsichter, ihri Händ, ihri Umgebig bilded Kapitel, wo sich wie Gspräch entfalted. S’Storytelling passiert nöd im Text, sondern i de Abfolg vo de Bilder.

    Layout, Typografie und d’Kunst vom Wäglah

    Mir schaffed am liebste mit Schriftsetzer, wo de Mut zum Leerraum händ. E gueti Typografie, öppe mit ere klare Akzidenz-Grotesk, git de Bilder vo Mario Del Curto dä nötig Ruum zum Atme. Nüt isch schlimmer als en Fotoband, wo d’Schrift de Bilder d’Luft nimmt. Mir setzed uf Zurückhaltig: D’Bildlegände sind knapp, d’Titel sind präzis, de Satzspiegel isch grosszügig. S’Auge vom Betrachter söll dur s’Buech gleitet werde, ohni dass es d’Füehrig bewusst wahrnimmt. Das isch die höch Kunst vom Layout – unsichtbar z’sii und trotzdem z’wirke.

    D’Wahl vom Papier: Munken Lynx oder GardaPat?

    D’Papierwahl isch für eus kei technischi, sondern e poetischi Entscheidig. S’Papier bestimmt, wie s’Licht uf de Bildoberflächi spielt, wie d’Schwärzi würkt, wie s’Buech i de Hand lit. Mir tested verschideni Sorte: Munken Lynx bringt e warmi, natürlichi Haptik und e leichti Glätte, wo de Silberabzüg schmeichlet. GardaPat hingäge het e kühleri Eleganz und e höchi Opazität, wo bi farbige Serie d’Sättigung understützt. Für d’Projäkt vom Mario Del Curto tendiered mir zu mattem, ungestrichenem Papier – es entspricht sinere analoge Arbetswiis und git de Bilder e taktili Präsenz, wo me gärn aalangt.

    Dramaturgie vo de Doppelsite: Rhythmus und Pause

    Jedi Doppelsite isch e Bühni. Mir inszeniered d’Bilder nöd eifach, mir komponiered sie. Es brucht Höhepünkt und Ruhezone, vollbluetendi Tableaus und stille Details. D’Chunst bestaht din, de Rhythmus so z’setze, dass de Betrachter nöd ermüedet, aber au nöd s’Interesse verliert. Mängisch laht mer es Bild ganzsitig stah und git ihm d’Wucht vom Einzelporträt. Denn wider setzt mer zwei Bilder in Dialog und laht sie enand kommentiere. D’Leersite isch debii kei verschwändeti Flächi, sondern e bewussti Atempause – e Respektbezügig vor em Bild, wo grad gsi isch, und em, wo gli chunnt.

    Druckchöste und d’Finanzierig: Was choschtet so öppis würkli?

    En Fotoband i de Schwiiz produziere laa isch e finanzielli Stange. Mir rechned mit Offset-Druck bi Buechbinder wie SchumacherGebler z’Bern oder Musumeci im Augschttal, wo au d’Qualität vo de Reproduktion stimmt. Für e Uflag vo 1000 bis 1500 Exemplär, mit sorgfältigem Vierfarbedruck und Fadeheftig, chunnt me schnell uf Produktionschöste vo 25’000 bis 40’000 Franke. De Buechbinder isch debii de entscheidend Partner: SchumacherGebler z’Bern verstaht sich uf d’Veredlig vo Fotobüecher und het s’Gspüri für die feine Nuance, wo de Mario Del Curto verlangt. D’Investition isch hoch, aber sie zahlt sich i de Langlebigkeit vom Produkt us.

    Offset vs. Digitaldruck: En Chostevergliich

    Für Uflage ab 500 Stück isch de Offsetdruck konkurränzlos i de Qualität. De Digitaldruck isch günschtiger bi Chliuflage, aber d’Farbtiefi und d’Gleichmässigkeit vo de Schwärzi chömed nöd an Offset ane. Mir händ beides probiert und sind zum Schluss cho: Für d’Arbete vom Mario Del Curto, wo vo de feine Grauabstufige läbed, git’s kei Alternativ zum Offset. De Mehpriis vo öppe 30% rächtfertigt sich dur d’Reproduktionsqualität. Bi Musumeci im Augschttal chönd mir uf Maschine drucke, wo speziell für anspruchsvolli Kunschtbüecher kalibriert sind – das gseht me jedem Buech a.

    Crowdfunding, Stiftige und d’Rolle vo Pro Helvetia

    Ohni Finanzierigshilf isch keis einzigs vo eusne Büecher mögli. Mir schaffed mit Stiftige zäme, wo d’Fotografie fördered, und setzed uf Crowdfunding-Kampagne, wo s’Publikum vo Afang a iibinded. Pro Helvetia isch debii de zentral Partner: D’Stiftig unterstützt Projäkt, wo kulturell relevant sind und über d’Landesgränze use wirked. D’Gsuchstellig isch ufwändig, sie verlangt es detaillierts Konzept und e realistischi Budgetierig. Aber d’Unterstützig vo Pro Helvetia isch nöd nur finanziell wärtvoll – sie isch au es Güetesigel, wo de Verlääg und de Buechhändler Vertraue git.

    D’Zusammenarbeit mit em Verlag und de Vertrieb

    Mir vo de Association Mordache setzed uf Nächi zum Verlag. Ob s’Limmat Verlag oder en chlinere Independet isch, d’Abstimmig bim Proof isch entscheidend, demit d’Farbtön vo de Abzüg würkli stimmed. En guete Verlag bringt nöd nur s’Know-How für de Vertrieb, sondern au es Lektorat, wo de Text schliffed, und e Produktionsleitig, wo d’Termin im Griff het. Mir schätzed de persönlich Kontakt – wenn mer am Telefon chönd über en Farbstich diskutiere, statt nur Mails z’schriibe, isch d’Lösig schnäller gfunge. D’Partnerschaft mit em Verlag isch e Vertrauenssach, wo über Johre wachst.

    Proofe und d’Farbverbindlichkeit im CMYK

    De Proof isch de Momänt vo de Wahrheit. Was uf em Monitor glüüchtet het, muess jetzt uf Papier bestah. Mir fahred persönlich i d’Druckerei und vergliched d’Proofböge mit de Originalabzüg. De Übergang vo RGB zu CMYK isch heikel – Farbtön, wo uf em Schirm brilliert händ, wirked uf Papier stumpf, wenn me nöd sorgfältig korrigiert. Mario Del Curto bestaht druf, bi de Proofabnahm debii z’sii. Er kennt sini Bilder wie kein andere und gseht Abwiichige, wo eus Laie verborge bliibed. Die Sorgfalt isch s’Fundamänt für d’Glaubwürdigkeit vom ganze Buech.

    Vertrieb i de Romandie und de Dütschschwiiz: E logistischi Frag

    D’Schwiiz isch en Chlimarkt mit zwo grosse Sprachregione, wo logistisch e Useforderig darstellet. Mir müend sicherstelle, dass s’Buech i de Romandie i de Buchhandlig liit und gliichzitig i de Dütschschwiiz verfüegbar isch. De Vertrieb lauft über de Verlag, aber mir vo de Association Mordache pfleget au diräkti Kontakt zu Buechhändler, wo Fotobüecher liebevoll präsentiered. D’Zusammenarbeit mit Galerie wie de Galerie Focale z’Nyon hilft, s’Buech im kulturelle Umfäld z’verankere, wo s’Publikum scho vorhande isch.

    D’Vernissage und s’Läbe nach em Druck

    D’Buechtaufe isch de emotional Höhepunkt, oft im Lausanne oder in ere Galerie wie de Galerie Focale z’Nyon. Aber s’Buech läbt wiiter, es isch e Visitekarte, wo Joore lang zirkuliert. D’Vernissage isch de Momänt, wo alli zämmechömed, wo am Projäkt beteiligt gsi sind – s’Team, de Verlag, d’Porträtierte, s’Publikum. Es isch en Abig vo de Dankbarkeit und vom Stolz. Doch de eigentli Wärt vom Buech zeigt sich erscht i de Johre dernah. Es wird verschenkt, wiiterempfohle, us em Regal zoge. Es füehrt es Eigeläbe, wo mir nur no bedingt chönd stüüre.

    Signierstund und s’Gspräch mit em Publikum

    D’Signierstund isch für de Mario Del Curto meh als e Pflichtüebig. Er nimmt sich Zit für jedes Gspräch, er will wüsse, wie sini Bilder uf d’Lüt wirked. Die diräkti Rückmäldig isch wärtvoll, sie fliesst i die nächste Projäkt ii. S’Publikum schätzt die persönlich Begegnig – es isch de Unterschied zwüsched em anonyme Kunschtbetrieb und de menschliche Dimension, wo s’Wärch vom Mario Del Curto uszeichnet. Mängisch entstaht us sonere Signierstund e neui Porträtserii, e neui Idee, e neui Zämenarbeit.

    S’Buech als Türöffner für neui Ufträg

    Es guet gmachts Fotobuech isch die bescht Referenz, wo me sich cha wünsche. Es zeigt nöd nur s’könne vom Fotograf, sondern au sini Fähigkeit, konzeptuell z’denke und es Projäkt über Johre z’trage. Für de Mario Del Curto händ sini Büecher Türe zu Ufträg göffnet, wo suscht verschlosse bliibe wäre. Kuratore, Galerischte und Uftraggeber gsehnd uf en Blick, mit wäm sie’s z’tue händ. S’Buech isch darum au e Investition i d’Zuekunft – es schafft Vertraue, bevor s’erscht Gspräch überhaupt stattgfunde het.

    Zum Schluss betoned mir, dass jede Fotoband en Akt vo de Grosszügigkeit isch – e Gschenk a d’Betrachter, wo ohni d’Leideschaft vo eusem Team und d’Unterstützig vo de Association Mordache nöd mögli wär. Es brucht de Muet, sich uf die langi Reise iizlah, es brucht d’Bereitschaft, sich vo Bilder z’trenne, wo eim lieb sind, und es brucht s’Vertraue, dass s’fertigi Buech am Schluss meh isch als d’Summe vo sine Teile. Mir sind dankbar für jede Band, woner dörfed realisiere, und für jedes Publikum, wo die Büecher mit offnige Auge und Händ empfangt.

    Hüfig gstellti Frage

    Wie lang duuret d’Produktion vomene Fotoband mit Mario Del Curto?

    Vo de erschte Selektierig bis zum fertige Buech vergönd i de Regel 18 bis 24 Mönet. D’Zit isch nöd nur de technische Schritte gschuldet, sondern vor allem em k

  • Archiver un fonds photographique: m?thode

    Archiver un fonds photographique: Unsere Methode für fotografische Nachlässe

    Ein ungeordneter fotografischer Nachlass ist wie eine verschlossene Schatztruhe – wir erklären, wie unser Team diese mit System öffnet und das kulturelle Erbe für die Zukunft sichert. Wenn wir zum ersten Mal vor einem Konvolut wie dem von Mario Del Curto stehen, sehen wir nicht nur Bilder, sondern ein ganzes Leben, das darauf wartet, wieder lesbar zu werden.

    Was ist ein fotografischer Fonds – und warum ist seine Archivierung so dringlich?

    Der Begriff «fonds photographique» bezeichnet die Gesamtheit aller fotografischen Werke und Dokumente, die ein Fotograf im Laufe seines Schaffens produziert und gesammelt hat. Es geht nicht nur um die fertigen Abzüge, sondern um Negative, Dias, Kontaktbögen, Notizen, Ausstellungsplakate und sogar Skizzenbücher. Im Fall von Mario Del Curto umfasst sein Fonds Jahrzehnte intensiver Arbeit, die das kulturelle Gedächtnis der Schweiz auf einzigartige Weise dokumentiert. Die Dringlichkeit einer fachgerechten Archivierung ist enorm: In der Schweiz schlummern unzählige wertvolle Konvolute in privaten Kellern oder Ateliers, oft unter Bedingungen, die dem Material massiv zusetzen.

    Die stille Gefahr: Materialzerfall bei Negativen und Dias

    Analoge Trägermaterialien sind empfindliche chemische Gebilde. Celluloseacetat-Negative beginnen zu schrumpfen und setzen Essigsäure frei – das berüchtigte Essigsäuresyndrom. Glasplattennegative drohen zu zerbrechen, und Farbdias bleichen aus, wenn sie nicht kühl und dunkel gelagert werden. Wir haben schon Bestände gesehen, die innert weniger Jahre unrettbar verloren waren, weil niemand die Warnsignale erkannt hat.

    Warum ein Nachlass mehr ist als nur eine lose Bildersammlung

    Ein fotografischer Nachlass ist ein komplexes Gefüge aus Bildern und Kontext. Die Beschriftung auf einem Couvert, die Reihenfolge der Negative in einer Schachtel oder ein handgeschriebener Zettel mit Ortsangaben – all das sind Puzzleteile, die das Werk verständlich machen. Bei der Arbeit mit der Association Mordache, die den Nachlass von Mario Del Curto betreut, wird uns immer wieder bewusst, wie entscheidend diese scheinbaren Nebensächlichkeiten sind.

    Schritt 1: Die integrale Sichtung und Respektierung der originalen Unordnung

    Unser erster physischer Kontakt mit dem Material findet direkt in den Räumlichkeiten der Association Mordache statt. Wir öffnen die Schachteln, sichten die Stapel und nehmen bewusst keine Vorsortierung vor. Jede scheinbare Unordnung ist eine Spur der Arbeitsweise des Fotografen. Ein banales Post-it, ein beschriftetes Couvert oder eine zufällige Abfolge von Bildern kann Hinweise auf eine Reportage, eine Reise oder eine persönliche Krise geben.

    Vom Schuhkarton zur provisorischen Inventarliste

    Wir erfassen jedes Behältnis mit einer provisorischen Nummer und notieren den Inhalt stichwortartig. Die Schuhkartons, die Mario Del Curto über Jahre gefüllt hat, werden zu ersten Einheiten in unserer Inventarliste. So entsteht ein grobes Raster, das uns später erlaubt, die Struktur des gesamten Fonds zu verstehen, ohne voreilig Ordnung zu schaffen.

    Umgang mit Mischkonvoluten: Wenn Privates und Berufliches verschmelzen

    Bei vielen Fotografen, und so auch bei Mario Del Curto, durchdringen sich private und berufliche Bilder. Ein Familienfest liegt neben einer Auftragsarbeit für eine Zeitschrift. Wir trennen diese Bereiche nicht künstlich, sondern dokumentieren die Mischung als authentischen Ausdruck der Lebensrealität. Die Association Mordache unterstützt uns dabei, die biografischen Zusammenhänge zu rekonstruieren.

    Schritt 2: Der materialtechnische Check-up vor jeder Manipulation

    Bevor wir ein einziges Blatt bewegen, analysieren wir die Trägermaterialien. Vom schweren Glasplattennegativ aus den 1920er-Jahren bis zum fragilen Kleinbild-Dia der 1980er-Jahre – jedes Format hat seine eigenen Bedürfnisse. Wir arbeiten eng mit spezialisierten Schweizer Restauratorinnen zusammen, die Schadensbilder beurteilen und uns sagen, welche Stücke stabil genug für die weitere Bearbeitung sind.

    Schimmel, Silberspiegel und Essigsäuresyndrom erkennen

    Schimmel zeigt sich als pelziger Belag, Silberspiegel als bläulich-metallischer Schimmer auf den Negativen. Beides erfordert sofortiges Handeln. Das Essigsäuresyndrom erkennen wir am stechenden Geruch und an der Verformung der Filmstreifen. Wir isolieren betroffene Materialien umgehend und leiten sie an die Restaurierung weiter, bevor sie benachbarte Bestände anstecken.

    Schutzmassnahmen: Kühlhaus oder Schublade? Ein pragmatischer Entscheid

    Nicht jedes Konvolut braucht ein professionelles Kühlhaus. Wir wägen ab: Für hochwertige Farbdias ist eine kühle Lagerung bei konstanter Luftfeuchtigkeit ideal, während Schwarzweiss-Negative in einer trockenen, temperierten Schublade gut aufgehoben sind. Gemeinsam mit der Association Mordache entscheiden wir fallweise, was machbar und sinnvoll ist.

    Schritt 3: Systematisches Signieren und Verpacken für die Ewigkeit

    Jedes Stück erhält eine eindeutige Signatur, die wir mit Bleistift auf die neue Verpackung schreiben oder auf einen eingelegten Zettel notieren. Wir verwenden ausschliesslich säurefreie Pergaminhüllen und Archivboxen, die wir bei Schweizer Lieferanten wie GEPE oder M-Art beziehen. Diese Materialien entsprechen der ISO 18916 und gewährleisten, dass die Negative und Dias über Jahrzehnte keinen chemischen Schäden ausgesetzt sind.

    Von der chronologischen zur seriellen Ordnung: Unser pragmatischer Ansatz

    Die originale Reihenfolge fotografieren wir detailliert, bevor wir die Stücke in eine logischere Struktur überführen. Bei Mario Del Curto orientieren wir uns an seinen Werkserien und den von der Association Mordache recherchierten Projekten. Eine chronologische Ordnung ist oft nicht möglich, also wählen wir eine serielle Ordnung, die den inhaltlichen Zusammenhängen folgt.

    Wahl der richtigen Archivmaterialien nach ISO 18916

    Die Norm ISO 18916 definiert die Anforderungen an Materialien, die mit fotografischen Trägern in Kontakt kommen. Wir setzen auf Produkte von GEPE und M-Art, weil sie diese Vorgaben zuverlässig erfüllen. Die Pergaminhüllen sind atmungsaktiv, die Boxen stabil und frei von Weichmachern, die mit der Zeit ausgasen und die Emulsionen angreifen könnten.

    Schritt 4: Digitale Erfassung – High-End-Scans und Metadaten nach IPTC-Standard

    Für die Digitalisierung setzen wir auf einen Hasselblad Flextight X5, einen Scanner, der speziell für höchste Ansprüche entwickelt wurde. Aus einem Mittelformat-Dia von Mario Del Curto holen wir so die maximalen Bildinformationen heraus – Details in den Schatten, feinste Strukturen und eine Farbtreue, die dem Original so nahe wie möglich kommt. Der Scan ist nur der erste Schritt; die eigentliche Arbeit liegt in der Erschliessung.

    Auflösung, Farbkalibrierung und Dateiformat – warum wir auf TIFF setzen

    Wir scannen mit einer Auflösung, die für das jeweilige Format sinnvoll ist, und kalibrieren unseren Workflow farbverbindlich. Als Dateiformat verwenden wir TIFF, weil es verlustfrei ist und alle Bildinformationen speichert. JPEGs sind für die Langzeitarchivierung ungeeignet, da sie bei jeder Speicherung Daten komprimieren und Details vernichten.

    Metadaten als Gedächtnisstütze: Zwischen KI-Bilderkennung und Handarbeit

    Unser Metadaten-Schema folgt dem IPTC-Standard und erfasst nicht nur technische Angaben wie Kameramodell und Filmformat, sondern auch inhaltliche Schlagworte. Die Association Mordache liefert uns wertvolle Recherchen zu Personen, Orten und Ereignissen, die wir einpflegen. KI-Bilderkennung nutzen wir als Unterstützung, aber die endgültige Verschlagwortung bleibt Handarbeit, weil nur ein geschultes Auge den Kontext wirklich versteht.

    Langzeitarchivierung: Redundanz, Migration und das LORY-System in der Westschweiz

    Digitale Daten sind flüchtig. Wir sichern die Scans mehrstufig: auf lokalen RAID-Systemen in unserem Studio, auf externen Festplatten an getrennten Standorten und in einer Cloud-Instanz. Für die geplante institutionelle Langzeiterhaltung prüfen wir die Einbindung in LORY, das Langzeitarchivierungssystem der Romandie. LORY bietet eine Plattform, die speziell für kulturelles Erbe entwickelt wurde und die Daten regelmässig auf neue Formate migriert.

    Die 3-2-1-Regel in der fotografischen Praxis

    Wir halten uns strikt an die 3-2-1-Regel: Drei Kopien auf zwei verschiedenen Speichermedien, eine davon an einem externen Standort. So stellen wir sicher, dass selbst bei einem Brand oder einem technischen Defekt die digitalen Master erhalten bleiben. Für die Association Mordache ist das eine essenzielle Sicherheitsmassnahme.

    Georeferenzierung und Abgleich mit Schweizer Landestopografie

    Wo immer möglich, hinterlegen wir Geodaten in den Bildern und gleichen sie mit der Schweizer Landestopografie ab. Viele Aufnahmen von Mario Del Curto zeigen Landschaften und Architektur, die sich über die Jahrzehnte verändert haben. Die Georeferenzierung macht den Wandel nachvollziehbar und verankert die Bilder im geografischen Raum.

    Gewissenhaftes Archivieren ist kein Selbstzweck. Es ist die Grundlage, damit das visuelle Gedächtnis eines Landes für kommende Generationen sprechen kann. Wenn wir den Nachlass von Mario Del Curto durch unsere Hände gehen lassen, arbeiten wir nicht nur für die Association Mordache, sondern für ein Publikum, das vielleicht erst in fünfzig Jahren verstehen wird, welchen Schatz wir heute gesichert haben.

    Häufig gestellte Fragen

    Was kostet die Archivierung eines fotografischen Fonds?

    Die Kosten variieren stark je nach Umfang, Zustand und gewünschter Erschliessungstiefe. Wir erstellen nach einer ersten Sichtung eine Offerte, die alle Schritte von der Materialanalyse bis zur digitalen Erfassung transparent auflistet.

    Wie lange dauert die Archivierung eines grossen Nachlasses?

    Ein umfangreicher Fonds wie der von Mario Del Curto kann mehrere Monate bis Jahre in Anspruch nehmen. Die Dauer hängt von der Menge des Materials, seinem Zustand und dem Umfang der Metadaten-Erschliessung ab.

    Kann ich meinen fotografischen Nachlass auch selbst archivieren?

    Grundsätzlich ja, aber die fachlichen Anforderungen an Materialkunde, Restaurierung und digitale Langzeiterhaltung sind hoch. Wir empfehlen, zumindest eine professionelle Beratung in Anspruch zu nehmen, um irreversible Fehler zu vermeiden.

    Was unterscheidet LORY von anderen Archivsystemen?

    LORY ist speziell auf die Bedürfnisse von Gedächtnisinstitutionen in der Romandie ausgerichtet und bietet eine enge Anbindung an die Schweizer Bibliotheks- und Archivlandschaft. Es gewährleistet die regelmässige Migration der Daten in aktuelle Formate und ist damit eine zukunftssichere Lösung.